Der Blick vom Lichten Plan auf dem Großschönauer Hutberg über den Ort bis hin zu den Höhen des Zittauer Gebirges ist eine der schönsten Aussichten, die unser Heimatdorf zu bieten hat. Aber nicht nur deshalb ist der Hutberg den Großschönauern ans Herz gewachsen. Schon im 18. Jahrhundert feierte man hier Volksfeste. Vor 120 Jahren kauften unsere Vorfahren den Hutberg von Zittau zurück. Über Jahrzehnte kümmerte sich ein Hutberg-Verein um die Anlagen. Die jüngere Generation verbindet den Hutberg mit den Veranstaltungen des Großschönauer Faschingclubs. Heute ist es dieser GFC, der sich mit der Unterstützung vieler Großschönauer Bürger darum bemüht, wieder neues Leben auf dem Hutberg zu bringen.
Die Hutberge, von denen es einige in
der Oberlausitz gibt, haben ihren Namen weder von der Gestalt eines Hutes noch von einer Bedeutung , wie sie in einer
Ortschronik beschrieben wird. "Auf unserem Hutberg soll ein Wachthaus gestanden haben, von wo aus die
Ansiedler vor Räubern, welche die Straße daher zogen, gewarnt und beschützt
wurden." Wir erklären den Namen damit, dass hier in alter Zeit das Vieh
gehütet wurde.
Mit dem frühesten uns überlieferten Volksfest auf dem Hutberg wurde der
Frieden gefeiert, der 1779 den Bayrischen Erbfolgekrieg beendete. 1797
illuminierten die Großschönauer den Hutberg zur Feier der Geburt eines
sächsischen Prinzen. 1815 wurde die Rückkehr des Königs Friedrich August mit
"einem Festaufzuge auf den angemessen dekorirten und reich illuminirten
Huthberg " und einem Feuerwerk festlich begangen. 1818 fand anläßlich des
50jährigen Regierungsjubiläums des sächsischen Königs ein Volksfest mit Musik,
Mörsersalven, patriotischen Liedern und Feuerwerk statt. Die Chronik erwähnt
eine mit 700 Lampen beleuchtete und 17 Ellen hohe Pyramide.
Als der letzte adlige Grundherr Hertwig von Nostitz 1587 Großschönau an die
Stadt Zittau verkaufte, ging auch der Hutberg in ihren Besitz über. 1876
bildete sich in Großschönau ein Komitee zum Rückkauf des Hutbergs unter dem
Vorsitz des Altmeisters der Damastweber Ernst Heinrich Paul. Eine
Bestandsaufnahme ergab 10 264 Bäume mit einer Stammstärke von mindestens 3
Zoll. Man einigte sich mit Zittau auf einen Kaufpreis von 12 000 Mark. Eine
Sammlung unter den Großschönauer Einwohnern ergab 5 216,75 Mark. Jedes Haus
hatte einen gedruckten Aufruf mit der Bitte um eine Spende erhalten, und 34
gewählte Sammler sprachen in jedem Haus vor. Den fehlenden Betrag stellte die
Gemeinde zur Verfügung. Der Rückkauf wurde von den unterhalb des Hutberges
geborenen Zittauer Stadtverordneten David Goldberg, der sich auch in anderer
Beziehung um Großschönau verdient gemacht hat, sehr unterstützt. Die Übergabe
fand am 1.April 1877 statt. Im gleichen Jahr begann der Fleischer und Gastwirt
Friedrich Frenzel mit dem Bau einer Restauration auf dem Hutberg, die 1878
eröffnet wurde.
Die Verschönerung lag in den Händen des Hutberg-Vereins, den nach Ernst
Heinrich Paul, Gotthelf Goldberg (1888-1902), Ernst Eichler (1902-1917),
Theodor Richter (1917), Hermann Schiffner (1917-1921) und der Bürgermeister
Gebauer (1921-1923) leiteten. Dafür wurden allein in den ersten beiden
Jahrzehnten über 21000 Mark ausgegeben. Hinzu kamen unentgeltliche Leistungen
der Großschönauer Vereine und Fuhrwerksbesitzer. 1892 wurden 260 solche Fuhren
gezählt. Sponsoren stellten erhebliche Geldbeträge zur Verfügung.
1889 wurde der Kaiserhain mit einer Büste Wilhelms I. eingeweiht. 1892
kamen Büsten des Reichskanzlers Otto von Bismarck und des Generalfeldmarschalls
Helmuth von Moltke hinzu. Auch der Dichter der Befreiungskriege Theodor Körner und der Turnvater Ludwig Jahn
wurden geehrt, indem man nach ihnen benannte Eichen pflanzte. 1923 stellte der
Hutberg-Verein infolge der Inflation seine Tätigkeit ein. Die Pflege des
Hutberges übernahm der Gartenbauausschuß der Gemeinde.

Seit etwa 1880 gab
es auf dem Hutberg einen Konzertpavillon und ein Billardzimmer. An die
Gasversorgung war die Gaststätte seit 1899 angeschlossen. 1906 beschloß der
Gemeinderat, eine Wasserleitung auf den Hutberg zu legen. Der größte Teil der
Kosten wurde durch Spenden finanziert. Ab 1912 waren die Wege beleuchtet.
Daß eine
auswärtige Aktiengesellschaft 1911 einen großen Konzert- und Ballsaal mit
versenkbarer Bühne
und einen elektrischen
Aufzug vom Steg an
der "Krone" auf denn Hutberg plante, war leider nur ein Aprilscherz
der "Oberlausitzer Presse".
Der Gastwirtschaftsbetrieb begann in den ersten Jahren im April und endete
im Oktober. Nach einer bedeutenden Erweiterung konnte die Gaststätte ab 1885
auch im Winter geöffnet sein. 1914 wurde eine neue Musikhalle, eine Veranda und
ein Küchenanbau errichtet. 1925 entstanden "zeitgemäße Toiletten" und
die Verbindung von der alten zur neuen Veranda. 1934 wurden die Glasveranda und
die
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Ehepaar Tampe
(oben)
Speisekarte von 19??(unten) |
anschließenden Gasträume modernisiert und vergrößert. Nachdem 1900
Friedrich Frenzel gestorben war, führte seine Witwe die Gaststätte bis 1910
allein weiter. Sie war eine sehr beliebte Wirtin. Zu ihren Spezialitäten gehörten
selbst gebackene Käsekäulchen. Sie verkaufte die Gaststätte an die Gemeinde,
die sie an Hermann Hänsel verpachtete. Ihm folgte 1921 Gustav Tampe. Als er
1941 starb, setzte seine Schwiegertochter die Bewirtschaftung bis 1947 fort.
Bis 1971 wechselten die Gastwirte häufig. Den bisher letzten Aufschwung erlebte
die Hutberg-Gaststätte von 1971 bis 1989 unter dem Gastwirtsehepaar Erika und
Karl-Heinz Liebe. Von 1974 bis 1989 fanden hier die weit über unseren Ort
hinaus bekannten Veranstaltungen des Großschönauer Faschingclubs statt, der
sich auch einen Kellerraum als Vereinslokal ausbaute. Da die
Konsumgenossenschaft die Hutberg-Gaststätte 1990 aufgab, konnte die 1989
begonnene Rekonstruktion des Gebäudes nicht abgeschlossen werden. Die Gemeinde
bemühte sich vergeblich um einen zahlungskräftigen Investor. Vandalismus
richtete erhebliche Schäden am jahrelang leerstehenden Gebäude an.
Am 12.09.1996 faßte die Jahreshauptversammlung des Großschönauer
Faschingsclubs den Beschluß, die Hutberg-Gaststätte als Vereinshaus des GFC
wieder aufzubauen. Die Gemeinde gab als Eigentümer ihre Zustimmung. Zuerst
wurde die Ruine winterfest gemacht, die Dachhaut und das Abwassersystem saniert
und ein provisorischer Anschluß für Elektrizität und Wasser hergestellt. Ein
weihnachtliches Posaunenkonzert am leuchtenden Tannenbaum auf dem Lichten Plan
zeigte den Großschönauern am 4. Advent , daß auf dem Hutberg wieder etwas los
ist.
Nachdem der Biergarten instand gesetzt war, konnten weitere Veranstaltungen
folgen. Mit seiner Initiative setzt der GFC eine Tradition fort, die 1876 von
Großschönauer Bürgern begonnen wurde, die zu uneigennützigem Engagement für
unseren Heimatort und auch zu finanziellen Opfern bereit waren. Wir können
heute dankbar feststellen, daß nicht nur 24 Arbeitskräfte im Rahmen einer
SAZ-Maßnahme ein Jahr auf dem Hutberg tätig waren, sondern daß es auch viele
freiwillige Helfer , Sponsoren sowie Handwerker, die sich ihre Arbeitsleistung
nicht bezahlen lassen, gibt.
Der Ortschronist Carl Kahlert verfasste 1927 ein Gedicht "50 Jahre Großschönauer Hutberg". Von den 9 Strophen werden hier die beiden ersten und die letzte wiedergegeben:
Du schöner
Berg mit deinen Waldabhängen,
Den
anmutiges Tal, Berg, Wald umschließt,
Du schöner
Berg mit deinen Wandelgängen
Sei doppelt freudig
heut von uns gegrüßt.
Freud´ger
Erinnerung gilt` sich zuzuneigen,
Und Wort und
Lied auch dies bekunden mag.
Schon 50
Jahre bist du unser eigen
Es ist ein
herrlicher Erinn`rungstag.
Vor 50
Jahren waren wackre Männer,
Dich zu
erwerben, ganz zur Tat bereit!
für Mithilfe
und Opferfreudigkeit.
Du hebst
dein Haupt empor im Heimatsorte,
Und doch
warst du vordem der unsre nicht.
Doch wurdest
du` s durch Geld und gute Worte,
Erfüllt ward
langer Wunsch und Ehrenpflicht!
So sei
gegrüßt im ersten Halbjahrhundert,
Das den
Besitz uns endlich hat vergönnt.
Verbleib
Erholungsstätte, bleib bewundert
Für alle -
bis das Sterbliche doch trennt.
Verbleib dem
Heimatsort ein treuer Wächter
Jahrhunderte,
bis in die fernste Zeit.
Erfreu noch
viel kommende Geschlechter
Mit deiner
viel gepries`nen Herrlichkeit.